Ultimativer Stresstest für potentielle Auswanderer in Richtung der Kanarischen Inseln

Geschrieben wurde das Buch Ultimativer Stresstest für potentielle Auswanderer in Richtung der Kanarischen Inseln von einem Auswanderer, der in Las Palmas de Gran Canaria seine neue Heimat samt Familie gefunden hat. Rolf Spittel ist alles andere als die Auswanderer, die man so im Süden von Gran Canaria kennen lernt: Er wohnt zum einen nicht im Süden, spricht Spanisch und hat eine Einheimische geheiratet. Er hat nicht die X-te Bundesliga Kneipe eröffnet, um sich gerade einmal so über Wasser zu halten und, den Eindruck erweckt das Buch, mit anderen nach Gran Canaria ausgewanderten Deutschen kommt er eher weniger in Berührung.

Daher ist das Buch auch ein reichhaltiger Fundus an Anekdoten über das Leben hier geworden, so wie es wirklich gelebt wird, und nicht in den Bungalow-Anlagen und den deutschen Zentren praktiziert wird. Besonders die Beschreibungen des Behördenwahnsinns in dem Buch werden aber auch Auswanderern weiterhelfen, die eben in den Süden und ihresgleichen wollen. Denn selbst wenn man mit dem Papierkram jemand beauftragt, sollte man doch schon wissen, was in etwa auf einen zukommt.

Die in dem Buch verstreuten Informationen sind durchweg schlüssig und decken sich allesamt mit meinen hier auf Gran Canaria gemachten Erfahrungen (ich sag nur bestes Sommeroktoberwetter und teilweise werden dem Kalender angemessene Stiefel getragen). Einzig die Frage der Autoummeldung kam mir durchaus komplizierter vor, als es bei uns gewesen ist. Zum einen schreibt Rolf Spittel, er habe nur vier Wochen Zeit gehabt, um sein als Umzugsgut nach Gran Canaria geschlepptes Auto umzumelden, zum anderen nahm bei ihm ja der Behördenwahnsinn bereits in Deutschland seinen Lauf. Wir hatten sechs Monate Zeit, haben es aber erst im achten Monat geschafft (die Fahrgestellnummer im Jeep war nicht mehr lesbar, man möchte meinen, ein kleineres Problem, aber bis geklärt war, wer diese wie und wann neu einstanzen darf, das war ein Drama für sich). Allerdings hatten wir bei der Autoummeldung auch die Hilfe eines sehr bemühten Fachmanns (der sich bis heute wohl darüber ärgert, dass er für die Ummeldung unseres Autos nur einen Pauschalpreis vereinbart hatte. Nach dem Bericht von Herrn Spittel weiß ich: Ohne den Helfer hätten wir wahrscheinlich bei dem geschilderten Wahnsinn zwei Jahre benötigt.

Alles andere klingt gut recherchiert und nach auf dem neusten Stand. Einzig bei dem Erwerb der Residencia gab es seit dem Schreiben des kleinen Ratgebers ein paar Neuregelungen, aber so schnell wie sich solche Regelungen hier in Spanien ändern können, ist es kaum möglich, da aktuell zu bleiben.

Das Buch selbst ist flüssig geschrieben. Der Autor schreibt meist aus persönlicher Sicht und lässt dann und wann eine satirische Geschichte einfließen. Das passt meist ganz gut, bei der über den armen Kerl, der eigentlich vom Todesengel (Santa Lucia) geholt werden sollte, das aber dann vor dem spanischen Fernsehprogramm und den Werbepausen kapitulieren musste, war wirklich sehr amüsant. Der Hinweis, dass in Spanien Filme aber erst sehr spät und nicht wie in Deutschland um 20.15 Uhr im TV beginnen, wäre aber hilfreich gewesen. So las es sich, als wenn ein 90 Minuten Film mit Hilfe der Werbung auf über vier Stunden ausgedehnt worden wäre.

Die kurzen satirischen Geschichten haben mir auch fast alle sehr gut gefallen (die Frau, die auf dem Weg ins Jenseits Retour ging und der Gott deutlich gemacht hat, was sie sich denn so beklage, sie habe doch im Paradies gelebt, war auch sehr, sehr gut). Nur die letzte Geschichte mit Hho war mir einfach zu lang geraten. Vielleicht lag es aber auch an der Uhrzeit.

Warum das Buch nun den Titel Stresstest abbekommen hat, erschließt sich mir nicht so ganz. Hat aber natürlich etwas griffigeres als Aus dem Alltagsleben eines deutschen Auswanderers, der unter die Canarios geraten ist.

Natürlich lässt es sich der Autor auch nicht nehmen, die in Spanien immer mal wieder durchscheinende (hab ich das nicht nett formuliert :-)) Korruption zu thematisieren. Vielleicht ist es seiner Zuneigung zu seiner neuen Wahlheimat geschuldet, dass er auch noch ein Beispiel dafür anbringen musste, dass es Korruption aber auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel der Schweiz gibt. Man merkt eben, dass der Autor auch die Schattenseiten des Lebens hier beleuchten wollte, aber sie eben nicht als Schattenseiten darstellen wollte, wahrscheinlich auch, weil er sie längst nicht mehr als so nervenaufreibend empfindet, wie es vielleicht frisch angekommene Mitteleuropäer tun, die dann auch mit Schnappatmung reagieren. Zumindest wollte Rolf Spittel nicht mit erhobenem Zeigefinger als Alles-Besserwisser darüber berichten.

Immerhin, Auswanderer, die das Buch vorher gelesen haben, können nicht behaupten, nicht gewusst zu haben, das Deutschland vielleicht die Bürokratie erfunden hat, diese in Spanien aber aufs Feinste perfektioniert wurde 🙂

Buchdetails Stresstest Auswanderer

Circa. 175 Seiten (kam mir sogar etwas mehr vor)
Autor: Rolf Spittel, lebt seit 2006 in Las Palmas de Gran Canaria.

Von mir gibt es glatt fünf Sterne. Ich hab zwar nicht viel Neues gelesen, kein Wunder, ich lebe ja seit 2007 auf Gran Canaria, aber es war schön zu sehen, dass meine Beobachtungen wohl wirklich nicht die Falschesten waren. Und es ist gut zu wissen, dass unsere Canarios hier in Castillo del Romeral ähnlich ticken wie die in Las Palmas.

Das Buch richtet sich ja an Auswanderer, Checklisten oder ähnliches findet man aber nicht darin, auch keine Adressen. Aber es hilft sich einen Eindruck zu verschaffen. Daher könnte es durchaus noch als Auswanderer Ratgeber durchgehen.

Ultimativer Stresstest für potentielle Auswanderer in Richtung der Kanarischen Inseln

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